Agile Leseliste – Empfehlungen für Einsteiger und Fortschreitende

Kollegen und Freunde wissen, dass ich schon das eine oder andere Buch über Agilität gelesen habe. Über Methoden, Hintergründe, best practices und so weiter. Fragen nach Buchempfehlungen zum Thema „Agil“ gab es schon immer. Aber seit ich selbständig bin, fragen mich noch mehr Leute als vorher nach meiner Agile Leseliste. Die Fragen waren immer ähnlich:

[8.3.2018] Wenn du jemandem, der sich komplett neu mit agile beschäftigen will 2-3 Buchempfehlungen geben müsstest, welche wären das?

[24.4.2018] Ich will bloß etwas für meine Bildung/Weiterbildung tun. Und womöglich sogar etwas zu aktuellen beruflichen Herausforderungen passendes.

Im Grunde fallen die Fragen alle in das Muster „Wenn Du etwas über Scrum lesen wollen würdest, womit würdest du anfangen?“

Jedes mal empfehle ich dieselben Bücher. Jedes mal suche ich Amazon- oder Goodreads-Links, damit die Fragenden es leichter haben, die Bücher zu finden. Das ist natürlich sehr effektiv, aber eben in der Wiederholung nicht sehr effizient.

Ganz unten findet ihr darum meine gleichnamige Goodreads-Liste, aber hier erstmal die Bücher eins nach dem anderen. Sortiert nach meiner Meinung ihrer Nützlichkeit für Menschen, die sich mit dem Thema Agilität ernsthaft beschäftigen wollen.

Roberts Top 10 Agile Buchempfehlungen (Bonus: Scrum und Führung)

#1 Agile Project Management with Scrum- Schwaber, Ken

Im ersten Scrum-Buch, das ich gelesen habe, schildert Ken Schwaber an kurzen Beispielen, wie Scrum-Praktiken wirken. So lernt man sehr natürlich und teilweise auch sehr unterhaltsam um die Vorteile dieses Frameworks. Die Beispiele sind aus heutiger Sicht natürlich massiv veraltet – Softwareprojekte sind heute in so vielen Bereichen grundsätzlich anders als noch vor 20 Jahren. Trotzdem lassen sich viele der Probleme auf ähnliche Ursachen zurückführen, was dieses Buch im Hinblick auf Lösungsvorschläge zeitlos macht.

#2 Scrum – agiles Projektmanagement erfolgreich einsetzen – Pichler, Roman

Nach der leichten Kost von Ken Schwaber, hier das meines Erachtens nach wie vor beste Werk zu Scrum. Ein bisschen in die Jahre gekommen (Veröffentlichung: 2008) ist dieses Buch nach wie vor das umsichtigste Scrum-Buch. Schlichtweg, weil es nicht nur Scrum-Praktiken erklärt, sondern auch warum sie effektiv sind. Weil es nicht nur Empfehlungen aneinanderreiht, sondern auch darlegt, wo die Vorzüge gegenüber anderen Umsetzungen liegen.

Dieses Buch ist zu Recht Referenz im deutschsprachigen Raum. Erst neun Jahre nach Veröffentlichung konnte ich eine Roman Pichler Präsentation auf dem Scrum Gathering Dublin 2017 sehen und war wiederum beeindruckt.

#3 Drive: The Surprising Truth About What Motivates Us – Pink, Daniel H.

Um ehrlich zu sein habe ich das Buch nie komplett gelesen. Ich verweise aber an dieser Stelle gerne auf das exzellente RSA Animate Video, in dem man eine 10-minütige Zusammenfassung bekommt. Meist reicht das schon, um die 3 Aspekte der Motivation (Selbstbestimmung, Perfektionierung und Sinnerfüllung) bei der Zusammenstellung eines Projektteams oder anderen Aufgaben im Projektmanagement zu berücksichtigen.

#4 Lean from the Trenches – Kniberg, Henrik

Henrik Kniberg schafft es immer wieder, Methoden nicht nur einfach zu erklären, sondern auch ihren Einsatz zu begründen. Die Begründung ist so fundamental wichtig, damit aus der bewussten Methode Routine werden kann. Erst wenn uns (und allen im Team) klar ist, warum wir einem best practice folgen, kann es sich durchsetzen.

Ebenfalls empfehlenswert: Scrum and XP from the Trenches.

#5 Scrum Mastery: From Good To Great Servant-Leadership – Watts, Geoff

Mit den Büchern #1 – #4 hat man einen sehr guten Einstieg ins Thema bekommen: Scrum, Lean, Kanban sind verständlich und man hat den Bogen zur menschlichen Motivation geschlagen. Damit können Anfanger loslegen und sollten im Umfeld eines Projekts sehr gut arbeiten können.

Wer den „Karrierepfad“ eines ScrumMasters beschreiten möchte, besser werden möchte als die Konkurrenz, Teams wirklich voranbringen und wachsen lassen möchte, der sollte Scrum Mastery lesen. An guten Beispielen wird hier gezeigt, was den guten vom großartigen ScrumMaster unterscheidet. Auch für mich eine Erfahrung, die mich hat demütiger werden lassen.

#6 Rework – Fried, Jason

Rework ist seit Erscheinen ein Management-Klassiker geworden. Wer agile Werte verinnerlicht hat, wird hier viel nicken. Für alle anderen sind hier kurz und prägnant Management- und Arbeitsweisen aufgeführt, die Teams und Organisationen helfen sollten, zu entschlacken, sich auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren und Dinge fertig zu kriegen.

#7 Agile Retrospectives: Making Good Teams Great – Derby, Esther & Larsen, Diana

Wie wird aus einem guten Team ein großartiges Team? Mit Zeit und indem man sich kontinuierlich verbessert. Dieses Buch begründet den Einsatz von Retrospektiven und unterstützt den Verbesserungsprozess durch Moderationsmethoden und viele wertvolle Tipps zur Konfliktbewältigung.

#8 The Peter Principle – Peter, Laurence J.

Take it, change it or leave it!
— 21st Century Business Wisdom

Wenn es Probleme gibt, gehen Menschen unterschiedlich damit um. Man kann sie hinnehmen, sie (versuchen zu) ändern oder sie (und damit meist seine Firma) verlassen.

Was kann ein Manager? Mit welcher Fertigkeit wurde die Management-Position erreicht? Welche Qualitäten fehlen, um weiterhin „fähig“ zu sein? Manchmal hängt der Veränderungsprozess an einzelnen Individuen. Um deren (mangelnde) Motivation zu verstehen, hilft das Peter Prinzip.

#9 Servant Leadership: A Journey Into the Nature of Legitimate Power and Greatness – Greenleaf, Robert K.

„Dienende Leiterschaft“ ist die unheimlich krude deutsche Übersetzung für das Prinzip von Führen durch Unterstützung. Ich mache es leichter, meinen Empfehlungen zu folgen, in dem ich Dir einen Dienst erweise. Das englische „Servant Leadership“ klingt angebrachter. Servant Leadership ist, was ein ScrumMaster täglich zeigt (oder zeigen sollte). Dieses Buch ergründet das Prinzip (und das schon seit über 30 Jahren):

#10 The Big Five for Life – Strelecky, John P.

Wie stellst Du dir eigentlich deine Karriere vor?

fragte mich mein Manager vor einigen Jahren. Ich hatte keine Antwort. Arbeit ist ein großer Teil des Lebens. Um zu wissen, wo es beruflich hingehen soll, muss man erstmal wissen, wo es im Leben hingehen soll. Leider ist diese Frage noch viel größer. The Big Five for Life hilft bei der Suche nach der Antwort.

Noch mehr Empfehlungen zum Thema Agilität im Unternehmen

Manager, Programmierer, Produktleute, ScrumMaster: Die Top 10 Bücher oben sind relevant für jeden, den Agilität interessiert, unabhängig davon, welche Rolle man im Job einnimmt. Trotzdem gibt es natürlich noch ein paar spezifischere Bücher für jede der Rollen, die ich hier nicht unerwähnt lassen möchte:

Für Softwareenwickler

Clean Code: A Handbook of Agile Software Craftsmanship – Robert C. Martin

Darüber hinaus habe ich keine weitere Buchempfehlung für Softwareentwickler. Robert C. Martins „Bibel“ reicht für den Anfang. Natürlich sind die obigen Empfehlungen auch für Entwickler relevant! Wer aber mehr erfahren möchte, warum „Agilität“ in erster Linie in der Verantwortung von Softwareentwicklern liegt, dem sei dieser Beitrag ans Herz gelegt:

Für Product Owner und Produktmanager

 

 

 

  1. Agile Product Management with Scrum: Creating Products that Customers Love – Roman Pichler
  2. User Stories Applied – Mike Cohn
  3. Scrum mit User Stories – Ralf Wirdemann

Für (C-Level-) Manager

 

 

 

  1. Scrum: The Art of Doing Twice the Work in Half the Time – Jeff Sutherland
  2. The Power of Scrum – Jeffrey Sutherland, Rini Van Solingen, Eelco Rustenberg
  3. A Seat at the Table – Mark Schwartz

Zu guter Letzt: Die Goodreads Liste

Habt ihr noch weitere Agile Buchempfehlungen? Immer her damit! Ich freue mich über Anregungen für die Leseliste auf Goodreads oder gerne hier in den Kommentaren.

Zitate über Agile, Führung und Kommunikation

Ich möchte mein Leben auf bestimmten Prinzipien und Werten aufbauen. Ab und zu stoße ich auf Dinge, die jemand in meinem Umfeld sagt oder schreibt, die diese Prinzipien und Werte besser ausdrücken, als ich es könnte, oder bis dato gehört oder gesehen habe. Darum hier die meines Erachtens ausdrucksstärksten Zitate über Agile.

Darüber hinaus möchte ich gut kommunizieren. Es gibt Muster in meiner (vermutlich unserer) angewandten Sprache, die ich im Nachhinein nicht mag, aber außer Stande bin, abzustellen. Wiederum passiert es dann, dass Kollegen und Freunde Sachen sagen, die hängen bleiben und früher oder später beeinflussen, wie ich rede. Sätze, die ins Gedächtnis kommen sobald ich das ungewollte Muster verwende, so dass ich mich (bestenfalls) zurückhalten kann oder mir doch wenigstens (schlimmstenfalls) bewusst werde, wenn ich schlecht kommuniziere. Auch diese Beispiele möchte ich hier teilen.


“Aufhören, Dinge anzufangen und anfangen, Dinge abzuschließen!”

Diesen Satz sage ich ständig. In jeder Firma, in jedem Team. Manchmal wirkt es. In dem Fall:

  • werden Teams fokussierter, denn bevor sie eine zweite Aufgabe anfangen, machen sie die erste fertig
  • arbeiten Teams besser zusammen, denn bevor jemand eine neue Aufgabe anfängt, helfen sich Teammitglieder gegenseitig eine andere Aufgabe abzuschließen
  • zielorientierter, denn wenn neue Arbeit gefunden wird, stellt sich jeder die Frage “Wird das wirklich gebraucht für diese Story?” (Siehe auch YAGNI)

Stop Starting, Start Finishing 2005Stop Starting, Start Finishing 2009

Herauszufinden wann und woher dieser Satz stammt, hat einen Moment gedauert. Es war nicht schon Anfang der 2000er. Das Zitat taucht erst ca. 2009 auf. Ab diesem Zeitpunkt ist das Mantra der Agile-Gemeinschaft zumindest intern allgegenwärtig.


Der CEO meines ersten Arbeitgebers, GameDuell, pflegte zu sagen “Perfect is the enemy of progress” (Perfektion steht dem Fortschritt im Weg). Natürlich kann man darüber diskutieren: Manchmal müssen manche Dinge perfekt sein. Es geht nicht darum, dass das die Aussage 100% korrekt ist. Es geht darum, dass wir uns jedes Mal fragen sollten: “Bin ich gerade perfektionistisch, oder brauche ich das wirklich, um das Geschäft voran zu bringen?”

Für mich ist dieses Zitat bis heute eine kurze, prägnantere Version von

“Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn es nichts mehr hinzuzufügen gibt, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann.” — Antoine de Saint Exupéry


Im Original:

“Hoffnung macht die Realität nur noch grausamer.” — Ralf Neeb

Eine Googlesuche ergab, dass ein ähnlicher Satz bereits weit verbreitet ist und auf Banner, Bilder, T-Shirts etc. gedruckt wird:

“Es ist besser, den kurzen Schmerz der Wahrheit zu erleben, als den dauerhaften Schmerz der falschen Hoffnung.”

Die Wirkung dieses Zitats ist einfach: Hoffen wir (oder Führungspersonen) auf Dinge im Leben? Heißt das nicht, wir wären nicht in der Position selbst zu handeln? Wann immer jemand von hoffen spricht, denke ich an diesen Satz und frage mich: “Was kann ich — außer zu hoffen — noch tun, damit etwas passiert?” Hoffnung ist nie ein Mittel zum Zweck. Hoffnung ändert nichts. Taten führen zu Veränderung.


Das zweite Zitat auf der Liste, dass ich nicht persönlich gehört habe.

“Technologie ist das Ergebnis der Kultur in der sie geschaffen wird.”

Sicher eine Verallgemeinerung von Conway’s Law:

“Organisationen, die Systeme entwerfen, […] sind auf Entwürfe festgelegt, welche die Kommunikationsstrukturen dieser Organisationen abbilden.”

Trotzdem mag ich obiges Zitat wiederum für seine Kürze und den übergeordneten Zusammenhang: Kultur liegt viel tiefer als nur die Struktur einer Organisation. In einer großartigen Firmenkultur kann eine temporäre, schlechte Struktur überstanden und überwunden werden. Im Gegensatz dazu kann in einer schlechten Organisationsstruktur keine gute Kultur aus einer schlechten erwachsen. (Siehe auch “Culture Eats Strategy for Breakfast.”)

Unterm Strich: Wenn wir die Technologie eines Unternehmens verändern wollen, müssen wir die Kultur des Unternehmens verändern. Bessere, persönliche Verbindungen helfen dabei. Wir versuchen alle, Berufliches und Privates zu trennen. Aber letztendlich sind es persönliche Verbindungen, die eine Firmenkultur prägen. Wie können wir persönliche Verbindungen schaffen, ohne persönlich zu werden?


Dieser Satz hat erst zu der Idee geführt, Zitate zu sammeln. Ich war mit Simon Kröger im Gespräch über Automatisierung und dass es für einige Komponenten unseres Systems leichter wäre, sie manuell zu deployen, dabei Jenkins und die grundlegendsten automatischen Tests zu umgehen, noch dazu mit dem Nachteil, dass es niemand bemerken würde. Unter der Devise

“Wenn Du etwas Falsches tun willst, dann sollte es schwer sein.”

haben wir diese Möglichkeit beschränkt.


“Wenn Du atmest, bist Du für Qualität verantwortlich” — Juan Vidal

So ist es. Kein “Aufgaben über den Zaun werfen”. Kein Schwarzer-Peter-Spiel über wer an etwas Schuld hat. Jeder hat Schuld. Jeder ist verantwortlich. Und es fällt schwer, das kürzer auszudrücken.


Hier noch ein Zitat zu Kommunikation: Genau wie mit “Hoffunng” löst jetzt auch “angenommen” bei mir erhöhten Aufmerksamkeit aus. Lose übersetzt lautet das Zitat

“Wenn Du etwas annimmst, dann machst Du dich und mich zum Arsch”.

Also passiert bei mir mittlerweile Folgendes: Wenn ich mich ertappe, wie ich “angenommen…” sagen, stelle ich stattdessen einfach eine Frage. Wenn meine Annahme richtig gewesen wäre, ist die Frage schnell beantwortet und führt nur zu einer sehr kurzen Unterbrechung. Wenn die Annahme aber falsch ist (bzw. gewesen wäre), ist die Frage Gold wert, da ich anders als mit der salopp geäußerten falschen Annahme nicht der Beziehung schade.


Was sind Deine meist verwendetsten Zitate über Agile? Antworte via Twitter oder direkt hier in den Kommentaren.