Zitate über Agile, Führung und Kommunikation

Ich möchte mein Leben auf bestimmten Prinzipien und Werten aufbauen. Ab und zu stoße ich auf Dinge, die jemand in meinem Umfeld sagt oder schreibt, die diese Prinzipien und Werte besser ausdrücken, als ich es könnte, oder bis dato gehört oder gesehen habe.

Darüber hinaus möchte ich gut kommunizieren. Es gibt Muster in meiner (vermutlich unserer) angewandten Sprache, die ich im Nachhinein nicht mag, aber außer Stande bin, abzustellen. Wiederum passiert es dann, dass Kollegen und Freunde Sachen sagen, die hängen bleiben und früher oder später beeinflussen, wie ich rede. Sätze, die ins Gedächtnis kommen sobald ich das ungewollte Muster verwende, so dass ich mich (bestenfalls) zurückhalten kann oder mir doch wenigstens (schlimmstenfalls) bewusst werde, wenn ich schlecht kommuniziere. Auch diese Beispiele möchte ich hier teilen.


“Aufhören, Dinge anzufangen und anfangen, Dinge abzuschließen!”

Diesen Satz sage ich ständig. In jeder Firma, in jedem Team. Manchmal wirkt es. In dem Fall:

  • werden Teams fokussierter, denn bevor sie eine zweite Aufgabe anfangen, machen sie die erste fertig
  • arbeiten Teams besser zusammen, denn bevor jemand eine neue Aufgabe anfängt, helfen sich Teammitglieder gegenseitig eine andere Aufgabe abzuschließen
  • zielorientierter, denn wenn neue Arbeit gefunden wird, stellt sich jeder die Frage “Wird das wirklich gebraucht für diese Story?” (Siehe auch YAGNI)

Stop Starting, Start Finishing 2005Stop Starting, Start Finishing 2009

Herauszufinden wann und woher dieser Satz stammt, hat einen Moment gedauert. Es war nicht schon Anfang der 2000er. Das Zitat taucht erst ca. 2009 auf. Ab diesem Zeitpunkt ist das Mantra der Agile-Gemeinschaft zumindest intern allgegenwärtig.


Der CEO meines ersten Arbeitgebers, GameDuell, pflegte zu sagen “Perfect is the enemy of progress” (Perfektion steht dem Fortschritt im Weg). Natürlich kann man darüber diskutieren: Manchmal müssen manche Dinge perfekt sein. Es geht nicht darum, dass das die Aussage 100% korrekt ist. Es geht darum, dass wir uns jedes Mal fragen sollten: “Bin ich gerade perfektionistisch, oder brauche ich das wirklich, um das Geschäft voran zu bringen?”

Für mich ist dieses Zitat bis heute eine kurze, prägnantere Version von

“Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn es nichts mehr hinzuzufügen gibt, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann.” — Antoine de Saint Exupéry


Im Original:

“Hoffnung macht die Realität nur noch grausamer.” — Ralf Neeb

Eine Googlesuche ergab, dass ein ähnlicher Satz bereits weit verbreitet ist und auf Banner, Bilder, T-Shirts etc. gedruckt wird:

“Es ist besser, den kurzen Schmerz der Wahrheit zu erleben, als den dauerhaften Schmerz der falschen Hoffnung.”

Die Wirkung dieses Zitats ist einfach: Hoffen wir (oder Führungspersonen) auf Dinge im Leben? Heißt das nicht, wir wären nicht in der Position selbst zu handeln? Wann immer jemand von hoffen spricht, denke ich an diesen Satz und frage mich: “Was kann ich — außer zu hoffen — noch tun, damit etwas passiert?” Hoffnung ist nie ein Mittel zum Zweck. Hoffnung ändert nichts. Taten führen zu Veränderung.


Das zweite Zitat auf der Liste, dass ich nicht persönlich gehört habe.

“Technologie ist das Ergebnis der Kultur in der sie geschaffen wird.”

Sicher eine Verallgemeinerung von Conway’s Law:

“Organisationen, die Systeme entwerfen, […] sind auf Entwürfe festgelegt, welche die Kommunikationsstrukturen dieser Organisationen abbilden.”

Trotzdem mag ich obiges Zitat wiederum für seine Kürze und den übergeordneten Zusammenhang: Kultur liegt viel tiefer als nur die Struktur einer Organisation. In einer großartigen Firmenkultur kann eine temporäre, schlechte Struktur überstanden und überwunden werden. Im Gegensatz dazu kann in einer schlechten Organisationsstruktur keine gute Kultur aus einer schlechten erwachsen. (Siehe auch “Culture Eats Strategy for Breakfast.”)

Unterm Strich: Wenn wir die Technologie eines Unternehmens verändern wollen, müssen wir die Kultur des Unternehmens verändern. Bessere, persönliche Verbindungen helfen dabei. Wir versuchen alle, Berufliches und Privates zu trennen. Aber letztendlich sind es persönliche Verbindungen, die eine Firmenkultur prägen. Wie können wir persönliche Verbindungen schaffen, ohne persönlich zu werden?


Dieser Satz hat erst zu der Idee geführt, Zitate zu sammeln. Ich war mit Simon Kröger im Gespräch über Automatisierung und dass es für einige Komponenten unseres Systems leichter wäre, sie manuell zu deployen, dabei Jenkins und die grundlegendsten automatischen Tests zu umgehen, noch dazu mit dem Nachteil, dass es niemand bemerken würde. Unter der Devise

“Wenn Du etwas Falsches tun willst, dann sollte es schwer sein.”

haben wir diese Möglichkeit beschränkt.


“Wenn Du atmest, bist Du für Qualität verantwortlich” — Juan Vidal

So ist es. Kein “Aufgaben über den Zaun werfen”. Kein Schwarzer-Peter-Spiel über wer an etwas Schuld hat. Jeder hat Schuld. Jeder ist verantwortlich. Und es fällt schwer, das kürzer auszudrücken.


Hier noch ein Zitat zu Kommunikation: Genau wie mit “Hoffunng” löst jetzt auch “angenommen” bei mir erhöhten Aufmerksamkeit aus. Lose übersetzt lautet das Zitat

“Wenn Du etwas annimmst, dann machst Du dich und mich zum Arsch”.

Also passiert bei mir mittlerweile Folgendes: Wenn ich mich ertappe, wie ich “angenommen…” sagen, stelle ich stattdessen einfach eine Frage. Wenn meine Annahme richtig gewesen wäre, ist die Frage schnell beantwortet und führt nur zu einer sehr kurzen Unterbrechung. Wenn die Annahme aber falsch ist (bzw. gewesen wäre), ist die Frage Gold wert, da ich anders als mit der salopp geäußerten falschen Annahme nicht der Beziehung schade.